Donnerstag, 20. Juni 2013

"Man of Steel"

Story: Kurz vor der Zerstörung Kryptons organisiert General Zod einen Aufstand, um den kryptonischen Rat zu stürzen und der Wissenschaftler Jor-El schickt sein Baby Kal-El zur Erde, um die Chance auf die Rettung der kryptonischen Rasse zu erhalten. Jahrzehnte später ist aus Kal-El der Mann Clark Kent geworden, der nun langsam immer mehr über seine wahre Herkunft erfährt und sich der Vergangenheit stellen muss...

Meiner Meinung nach ist Superman als Charakter schwer in irgendeinem Medium umzusetzen, weil er an sich weniger ein Charakter und mehr eine Idee ist; ich rede hier schließlich vom mächtigsten Wesen in seinem Universum, das praktisch unbesiegbar ist (selbst Kryptonit und Magie können dem "ultimativen" Superman wenig bis gar nicht schaden). Von daher kann ich verstehen, dass diese Arbeit alles andere als einfach ist - nicht zu sagen, dass bsw. Batman einfach hinzubekommen wäre, aber Batman ist für mich ein eindeutig besser definierter/beschriebener Charakter als Superman, dessen größtes Plus sein Alter Ego Clark Kent ist, das als ein Spiegel der Gesellschaft auf mehrere Arten wunderbar benutzt werden kann.

Bevor ich mit dem Negativen anfange, zähle ich die für mich (leider wenigen) positiven Aspekte auf. Zack Snyder (einer der visuell besten Regisseure Hollywoods meiner Meinung nach) hat ein rein bild- und style-technisch gesehen einwandfreies Krypton erschaffen, das mit mehreren Verweisen Richtung Filme wie "Matrix" oder "Avatar" glänzen kann. Außerdem fokussiert sich der Film tatsächlich auf Superman.

Es tut mir unendlich leid es zu sagen, aber dieser Film versagt auf jeder anderen Ebene. Von Anfang an gibt es ein Problem mit dem Film an sich, buchstäblich - er wackelt und das ständig, vom Epilog bis zu den Credits. Es mag am Anfang vielleicht nicht sonderlich stören, aber nach einer Weile sollten dann die Kopfschmerzen einsetzen und man kann von Glück reden, wenn man nach 2,5 Stunden keine Migräne bekommt. Hinzu kommen noch die seltsam gefilmten Actionszenen, bei denen man sehr oft stark ranzoomt und somit leicht den Überblick verlieren kann; verwaschen, verwackelt, zu nah dran.

Mein größtes Problem habe ich aber mit dem Drehbuch und somit mit der Geschichte, den Charakteren, den Dialogen, den Themen, sozusagen dem Herz eines jeden Films und dieser Film hat kein Herz, keine Leidenschaft und keine Seele. Die Charaktere versuchen einander und vor allem Kal-El und dem Zuschauer ständig Exposition und die Idee von Superman zu verkaufen, anstatt vernünftige Dialoge miteinander zu führen. Jeder wiederholt ständig seine Motivation (weil es subtiler wohl nicht geht und 1x nicht reicht) und man will einem ständig starke christliche Zusammenhänge mit Superman andrehen (ich mein es gibt sogar eine Szene, in der Superman direkt vor einem Kirchenfenster mit Jesus davor sitzt); jeder wichtige Charakter ist blass und lernt absolut nichts im Verlauf des Films. Schlussendlich geht es wirklich eher darum, die Idee von Superman zu diskutieren, als diesen darzustellen, mit seinen Stärken und Schwächen.

Das Problem dabei ist nicht, dass man hier versucht, möglichst ernst und realistisch zu sein (so realistisch, wie das mit fliegenden, übermenschlich starken Aliens in Uniformen, die Laserstrahlen aus den Augen schießen, möglich ist), sondern dass man dabei so inkonsequent vorgeht, dass man sehr simpel und kindisch mit dem Charakter auseinandersetzt: Man nimmt für den Großteil den einfachen Weg und versucht (aus welchem Grund auch immer), die Batman-Vorlage auf Superman zu pressen...nur sind die beiden Helden sehr verschieden und man kann nicht mit beiden auf eine ähnliche, ja gar gleiche Weise arbeiten. Meiner Meinung nach hat es der Film eindeutig versäumt, Superman identifizierbar zu machen, bzw. wohl eher so zu gestalten, dass wir eine Wandlung in ihm sehen können - denn trotz seiner physischen Perfektion hat sein Aufwachsen bei den Kents ja die Funktion, dass er das menschliche Leben zu ehren lernt...neben einigen anderen Dingen. Die Tatsache, dass dieser Film sich gegen Ende hin versucht, ständig mit Explosionen und einstürzenden Gebäuden ständig zu übertreffen, aber dies gekonnt übersieht, sagt einiges über die Drehbuchschreiber. Die Liebesgeschichte mit Lois konnte nach ca. 3 gemeinsamen Szenen auch nicht wirklich entwickelt genug sein, um eine Existenzberechtigung zu haben.

Ich werde an dieser Stelle nicht behaupten, dass Henry Cavill als Superman nicht funktionieren kann - er hat auf jeden Fall die Präsenz, nur dummerweise gibt ihm das Drehbuch nie die Möglichkeit, möglichen Charme auszuspielen. Amy Adams als Lois Lane war eine komplette Verschwendung und nur da, um noch mehr Exposition für den Zuschauer zu bringen. Crowe und Costner waren beide relativ blass als Kal-Els Vater und Clark Kents Adoptivvater, wobei jeder von ihnen auf seine Weise ständig Kal-El die Jesus-Rolle aufbürden wollen, seit seiner Kindheit. Michael Shannon als Zod ist erschrecked schwach und in seinen besten Momenten unfreiwillig komisch, was schade ist, denn besonders von ihm habe ich mir viel erhofft. Und Lawrence Fishburne als Lanes Boss zu erwähnen wäre sinnlos (ich tat es aber trotzdem).

Fazit: "Man of Steel" lässt "Superman Returns" gut aussehen und ich bin ernsthaft fast schon schockiert und beschämt, es zuzugeben. Gäbe es nicht Superman in diesem Film, könnte es jeder drittklassige "Transformers"-Klon sein und die Logiklöcher, fehlende Charakterzeichnung, ständiges Wackeln und ein mehr als seltsam verzerrtes Bild von Superman - all das hat diesen Film für mich als einen der frustrierendsten dieses Jahres gemacht und ja, ich finde, dass er zu diesem Zeitpunkt einer der schlechtesten Filme 2013 ist. Und es macht mich mehr als traurig, dass durch diesen Film, der auf dem besten Weg zum Kassenschlager ist, nicht nur ein Sequel bereits für 2014 fest steht (wie sie das schaffen wollen ist mir ein Rätsel), sondern dass wir uns nun auch noch auf andere DC-Helden aus der "Justice League" mit dem gleichen Ton freuen können...yay oder was auch immer.

P.S. : Kevin Costner und Russel Crowe haben beide Robin Hood verkörpert. Vielleicht ist es Zufall, aber es würde mich nicht wundern, dass sie extra als Supermans Väter gecastet wurden, um dem Zuschauer die Botschaft auch noch unterschwellig zu präsentieren.

P.P.S. : Achtet ruhig auf die Lex Luthor- und Batman-Cameos ! Naja, nicht direkt Cameos, aber schon ziemlich direkten Verweisen auf die beiden...somit dürfte zumindest Lex Luthor als Hauptbösewicht für die Fortsetzung fest stehen.


1 Kommentar:

  1. Niederschmetternde Kritik. Das mit der Jesus-Rolle ist so ne Sache. Ein übermenschliches Alien, das vom Himmel kam, um die Menschheit zu retten. Ersetze Alien durch Gottes Sohn und du hast Jesus ;) Was ich damit sagen will, ist, dass das sicher eine bewusste Inszenierung ist, die evtl. bei dem ein oder anderen gut ankommt. Allerdings sollte man da vielleicht etwas subtiler vorgehen, selbst wenn man das so sieht.

    Was den Rest angeht, bin ich mal gespannt. Ich erinnere mich dunkel an Superman Returns und das verheißt nichts gutes über diesen Film. Einen guten Effekt hat das ganze aber; Es wird sicher dutzende nette Parodien und Videos mit Anspielungen auf den Film bei YT geben :)

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